Die Arbeit in den Professionellen Pflegestellen

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 Grundlegende Informationen

Seit dem Jahr 1989 bietet die Partnerschaftliche Erziehungshilfe die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Sozialpädagogischen Pflegestellen an.

Zur Zeit haben wir eine Sozialpädagogische Pflegestelle in der Gemeinde Rehlingen-Siersburg (Biringen, Dorfstr. 17).

Die Pflegestelle bietet 3 Plätze für Kinder und Jugendliche an, die im Setting einer Familie professionelle Hilfe annehmen können und deren Herkunftsfamilien ihnen dies ermöglichen, meist weil sie ihren Kindern zu Hause keine dauerhafte Zukunftsperspektive bieten können. Bisher lebten die betreuten Kinder/Jugendlichen zumeist bis zu ihrer Verselbstständigung in der Familie unseres pädagogischen Mitarbeiters.

Durch die Aufnahme des Kindes in die Pflegestelle soll der Bezug der Kinder zu ihren Angehörigen nicht völlig abgebrochen werden. Die "Pflegeeltern" tragen nun die Hauptverantwortung für den Tagesablauf und die Erziehung der Kinder; grundsätzliche Entscheidungen werden, wenn dies möglich ist, unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten oder des Vormundes im Hilfeplanverfahren gemeinsam mit dem Jugendamt getroffen.

 Zielgruppe - Indikation - Aufnahme

Im Gegensatz zu den anderen bestehenden Einrichtungen der Partnerschaftlichen Erziehungshilfe ist die Unterbringung in den Pflegestellen meist längerfristig angelegt. Sie ist deshalb vor allem bei solchen Kindern sinn­voll, die eine ungünstige Prognose für eine Rückkehr in ihre Familie haben. Zum anderen werden besonders solche Kinder aufgenommen, die aufgrund von psychosozialer Störungen nicht in eine herkömmliche Pflegefamilie vermittelt werden können, zur Aufarbeitung dieser Defizite jedoch einen familiären Rahmen brauchen.

Die wichtigsten Kriterien für die Aufnahme eines Kindes sind das grundsätzliche Einverständnis der Herkunftsfamilie mit einer längerfristigen Unterbringung in der Pflegestelle, eine gewisse Gemeinschaftsfähigkeit des Kindes sowie das Zusammenpassen der Minderjährigen untereinander und in die vorhandenen Familienstrukturen.

Im Aufnahmeverfahren müssen diese Themen grundsätzlich und ohne Zeitdruck besprochen und geklärt werden, damit der Aufbau einer tragfähigen Beziehung in der neuen Familiensituation möglich werden kann.

 Pädagogisch-therapeutische Konzeption

Grundlage unserer Arbeit in der Pflegestelle ist das familienorientierte Zusammenleben mit den Kindern und Jugend­lichen. Wesentlicher Ansatz in unserer sozialtherapeutischen Arbeit ist die Verbindung der institutionellen, professionellen Er­ziehung (vertieftes Verständnis, pädagogisch-methodische Kompetenz und Erfahrung, Reflexion in der Beratung, zu­sätzliche Hilfen und Entlastungsformen) mit den Vorteilen der familiären Erziehung (Be­ziehungsdichte und Geborgen­heit im kleinen Rahmen sowie Kontinuität im Alltag und individuelle För­derungsmöglichkeiten).

Neben der Gestaltung eines "gelingenden pädagogischen Alltags", der sich an den Stärken und Interessen der Kinder orientiert, bemühen wir uns, einen therapeutischen Rahmen zu schaffen, der die Aufarbeitung physischer, psychischer und sozialer Rückstände und Probleme ermöglicht. Solche Veränderungsprozesse verlaufen langsam und brauchen oft Jahre.

Im Sinne der Wahrung der lebensgeschichtlichen Kontinuität und der Loyalität der Kinder gegenüber ihrer Herkunfts­familie sind wir uns bewusst, dass wir ihnen nur dann gerecht werden können, wenn wir uns bemü­hen, bei aller Ver­schiedenheit der Lebenswelten eine partnerschaftliche, von gegenseitigem Vertrauen und Akzeptanz geprägte Bezie­hung aufzubauen.

Das erzieherische Handeln ist eingebettet in den Alltag des Familienlebens. Pädagogischer Bezug wird also durch ge­meinsames alltägliches Handeln hergestellt (Kochen, Essen, Freizeitaktivitäten, Aufräumen, Schul­arbeiten). Wichtig ist die Erfahrung für die Kinder, dass trotz aller Interessenunterschiede und Konflikte die Kontinuität des Zusammenlebens verlässlich bleibt. Auf diese Weise lernt das Kind/der Jugendliche soziales Handeln am Modell dieser Familie.

Für uns als aufnehmende Familie bedeutet dies, dass wir auf viele selbstverständliche Abläufe, wie sie bei gewachsenen Eltern-Kind-Beziehungen üblich sind, nicht zurückgreifen können und realistische Erwartun­gen an die Kinder richten müssen. Vieles im alltäglichen Leben muss so umgestaltet werden, dass es sich an den oft ungewohnten Bedürfnissen und Verhaltensmustern sowie dem unterschiedlichen psychischen und sozialen Entwicklungsstand der Kinder orientiert.

Neben dem Aufbau innerfamiliärer Bindungen erscheint uns der Einfluss des sozialen Umfeldes von beson­derer pädagogischer Bedeutung. Die Wahl unserer Standorte im ländlichen Raum, mit einer relativ intakten sozialen Struktur sehen wir als günstige Voraussetzung für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung und Integration un­serer Kinder ins hiesige Gemeinwesen (Schule, Nachbarschaft, Vereine, Freundeskreis) an. Hilfreich ist da­bei, dass wir als Familie und mit unserer Arbeit in Nachbarschaft und Ort gut integriert sind.

In einem gelungenen Integrationsprozess in die Lebenswelt der Pflegestellen sehen wir eine wichtige Stütze heilsamer Prozesse bei den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Der Schonraum 'Pflegestelle' dient als erstes Lernfeld adäquaten Verhaltens und Aufbaus tragfähiger Beziehungen, das soziale Umfeld mit 'normalen' Anforderungen länd­lichen Zusammenlebens das zweite Lernfeld.

 Koordination, Beratung und Entlastung

Für Koordination, Beratung und Unterstützung der Pflegestelle steht eine pädagogische MitarbeiterIn der Partnerschaftlichen Erziehungshilfe zur Verfügung.

Durch die Aufnahme der Kinder ergibt sich für die Pflegestelle ein neues Beziehungsgeflecht, in dem Her­kunftsfamilie, Jugendamt und Einrichtung Einfluss nehmen. Diese besondere Situation der Pflegestellen, bei der eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben nicht gegeben ist, stellt, neben regelmäßigen Fallbesprechungen, einen weiteren Inhalt der Beratungsgespräche dar.

Bei Bedarf und Interesse bietet die BeraterIn den untergebrachten Kindern und auch ihren Herkunftsfamilien Gespräche und Unterstützung an. Die Koordinatorin begleitet und überwacht den pädagogischen Prozess der in der Pflegestelle betreuten Kinder und Jugendlichen. Die regelmäßi­gen Kontakte zu ihr stellen für die Pflegestelle auch ein Bindeglied zur Gesamteinrichtung dar.

Das ständige und enge Zusammenleben mit den Kindern/Jugendlichen und die intensive emotionale Einbin­dung in die Dynamik des Erziehungsalltags erfordern neben der Beratung auch eine spürbare Entlastung. Für die Pflegestelle stehen Teilzeitkräfte zur Verfügung, die zur Entlastung der Familien eine stundenweise Betreuung der Fremdkinder übernehmen können und die auch für sonstige Vertretungen in Urlaubs- oder Krankheitsfällen zuständig sind.

 Leitung und Verwaltung

Alle Angelegenheiten, die den Träger der Einrichtung sowie die Leitung und Verwaltung betreffen, werden über das Büro der Partnerschaftlichen Erziehungshilfe in Riegelsberg geregelt.


Stand: Oktober 2016